Der Königshof der Künste / The royal court of the arts

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Es war einmal ein Königshof der Künste am Fuße des Hohen Atlas…

Die Könige dieser Welt faszinieren nicht wirklich, ewig dieses langweilige Game of Thrones, von Ausbeutung, Trennung, Macht und Geld. An ANIMA – Le Retour du Paradis gefällt mir besonders, dass dieser Ort von innerer Größe gehalten ist …

Hier ist ein Königshof von offenem Herzen und offenem Geist entstanden. Alaa Eddine sagt, hier kann man Mensch sein und nicht nur das, hier können auch die Steine, Pflanzen und Tiere in Würde sein …

In ANIMA bringen sich ArbeiterInnen und Angestellte ganz von selbst mit ihrem Fähigkeiten und Potenzial ein, weil man ihnen auf Augenhöhe begegnet und weil hier etwas entstanden ist, das sie im Innersten berührt …

Und natürlich auch die Kunst, in all ihren Gesichtern, hier wird ihr Raum gegeben. Hier ist sie kein Verschämtes etwas, dass man halt auch braucht, wie in der modernen Leistungsgesellschaft. Hier kann sie wirken, berühren, heilen und die Menschen in ihre Schönheit und Größe rufen …

Für ANIMA wurden ein paar Ingredienzien zusammengefügt: eine außerordentliche Vision, ein anständiger Batzen Mut, ein Quäntchen Magie, Gemeinschaftssinn, viel Arbeit, eine Stange Geld, ganz viel Herz, und schon entsteht ein Königshof …

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Once upon a time there was a royal court of arts at the foot of the High Atlas …

The kings of this world are not really fascinating, the old boring game of thrones with its exploitation, separation, power and money is rather boring. ANIMA – Le Retour du Paradis, is a courtyard which is held by inner magnitude …

Here a kingdom of open heart and open mind has arisen. Alaa Eddine says that here you can be human and not only that, here also the stones, plants and animals can be in dignity …
Workers and employees yield themselves with their abilities and potential into the project, because they are met at eye level and because something has come into being here that touches them in their hearts …

And of course the art, in all its faces, here is given space to her. Here art is not a bashful something, that one just needs, as in modern meritocracy. Here she can appear, touch, heal and call people into their beauty and grandeur …

For ANIMA, a few ingredients have been put together: an extraordinary vision, a decent chunk of courage, a ton of magic, collective spirit, much work, a stake of money, a lot of heart, and already a royal court is created …

 

 

Marokkaner sind wie Katzen / Moroccans are like cats

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Heute waren wir Materialien einkaufen für die Skulptur, ich kann weder die Landessprache noch französisch, ohne Alaa Eddine wäre ich aufgeschmissen. Er liebt den Glanz der Stadt, nachdem es geregnet hat, wir durchforsten Baumärkte und Shopping Malls …

Alaa Eddine sagt: Marokkaner sind wie Katzen, näherst du dich ihnen auf sanfte Art, streichelst du sie mit deinen Worten, respektierst du sie, erlebst du hilfreiche, warmherzige Menschen. Begegnest du ihnen jedoch auf unangenehme Weise, dann kratzen und fauchen sie …

Allllahhhhuuuuuuuu akkkkbbbaaaaarrr … tönt es über das weite, rote Land hinein in den Gesang der Amseln und Motoren. Der Prophet sagt, lasse den Menschen die Freiheit zu tun, was auch immer sie tun, es ist nicht deine Aufgabe sie zu ändern …

Da ist diese Stimme in uns, die so gerne kontrolliert, wie lange etwas dauern soll, nicht zu lange, das wäre nicht gut, nicht zu kurz, sonst ist man zu faul. Was man erreichen müsste, wieviel oder wenig man essen sollte, wie unsere Kinder zu sein haben, was dieser oder jene lieber anders machen sollte … aber die Stimme weiß nichts, sie weiß gar nichts …

Sie weiß nichts von klopfenden Herzen und tropfenden Farben, sie weiß nichts von tastenden Schritten im lauschenden All … Sie weiß nicht, was sich richtig anfühlt, sie kennt nicht den Raum, den eine Tuschefeder durchmisst … sie weiß nichts vom Lauern im mystischen Wald, sie weiß nichts vom kindlichen Glanz und vom Tanz … sie kennt nicht die Freude, nur den Schmerz … sie wohnt im verwunschenen Schloss und sehnt sich nach dem einen Kuss …

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Today we were buying materials for the sculpture, I can neither speak the native language nor French, without Alaa Eddine I would be lost. He loves the splendor of the city after it has rained, we are browsing hardware stores and shopping malls …

Alaa Eddine says: Moroccans are like cats, if you are approaching them gently, stroking them with your words, respecting them, you will experience helpful, warmhearted people. But if you encounter them in an unpleasant way, then they scratch and hiss …

Allllahhhuuuuuuuuu akkkkbbbaaaaarrr … so it sounds over the wide, red country into the song of the blackbirds and engines. The Prophet says, let people be free to do whatever they do, it’s not up to you to change them …

There’s that voice inside of us that controls so much, how long something should take, not too long, that would not be good, not too short, you might be lazy. What you need to achieve, how much or little you should eat, how our children have to be, how this one or another should behave differently … but the voice knows nothing, it knows nothing at all …

She knows nothing about beating hearts and dripping colors, she knows nothing of groping footsteps in the listening universe … she does not know what feels right, she does not know the space that an ink pen runs through … she knows nothing about lurking in the mystical forest, she does not know about the childlike splendor and the dance … she does not know  joy, only pain … she lives in an enchanted castle and longs for the one kiss …

 

Montagmorgen im Paradies / Monday morning in paradise

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Es ist noch dunkel und kühl, in der Nacht fällt Raureif auf die rote Erde. Hunde bellen, und der sanfte Gesang aus den Moscheen mischt sich mit dem Krähen des Hahns. Seit sieben Jahren, sagt man, kräht er nun Tag und Nacht durch. Was ist los mit ihm? Stimmt was nicht mit ihm? Ist er verrückt? Die wilden Hunde erwischen ab und zu ein Huhn und so manche(r) fragt sich: Könnten sie nicht auch mal den Hahn erwischen? …

Montagmorgen schleichen sich Schatten ins Paradies, der Zweifel kommt auf leisen Sohlen: Ist die Skulptur nicht zu simpel? Zu platt? Sollte sie nicht viel „Besonderer“ sein. Dem/die BetrachterIn viel mehr ins Staunen versetzen? Mache ich hier alles falsch? …

Als Mensch ist man doch sehr wie ein Seiltänzer, öffnen wir dem Zweifel die Tür, beginnen wir zu fallen. So sehr wir uns auch bemühen, wir können die Prozesse des Lebens nicht kontrollieren. Egal welche Gedankengebäude sich anbieten, ob die des Zweifels oder die, welche Sicherheiten herstellen wollen, alle sind nicht vertrauenswürdig, wie Gespenstertanz. Wieder ist es allein die Stille, die sich seltsam stabil anfühlt …

Culture of Silence – könnte es uns gelingen, eine völlig neue Kultur zu erschaffen? Eine Kultur, die nicht aus dem Gespensterkarussel der Gedanken, sondern aus der Stille kommt …

Die Stille gebiert wieder Inspiration. Vertrauen erwächst. Vertrauen in den künstlerischen Ausdruck, welcher sich weder aus Talent oder Perfektion noch aus endloser Übung speist, sondern aus lebendigem Brausen, aus dem Moment. Ist es möglich, dass wir nicht der Angst vor Fehlern folgen, sondern allein dem Enthusiasmus (griech. en Theos – in Gott), der Freude? Wie ist unser Ausdruck, wenn wir der Angst etwas falschzumachen, nicht gehorchen? Wenn wir sehen, dass es in Wahrheit gar nicht möglich ist, etwas richtig oder falsch zu machen. Wir können es nur so tun, wie es unser einzigartiges Wesen eben hervorbringt, in diesem Moment. Mitsamt unseren Beschränkungen und all den Erfahrungen, die uns bisher geprägt haben. Können wir das so sein lassen? Wie sehen Kunstwerke aus, die aus dieser Freiheit entstehen?

Vielleicht ist es die Weite des wilden Kontinents, die den Hahn andauernd krähen lässt, vielleicht ist er einfach nur verrückt vor Liebe? …

It is still dark and cool, in the night hoarfrost falls on the red earth. Dogs bark, and the gentle song from the mosques mingles with the crows of the rooster. For seven years, they say, he crowed day and night. What’s wrong with him? Is he crazy? The wild dogs sometimes catch a chicken and some wonder: Could they not rather catch that cock? …

On Monday mornings shadows sneak into paradise, the doubts come on soft feet: Is the sculpture not too simplistic? Too flat? Should she not be more “special”? To astonish the viewer much more? Am I doing everything wrong here? …

As a human you are very much like a tightrope walker, if we open the door to doubt we start to fall. As much as we try, we can not control the processes of life. No matter which mental building offers itself, whether those of the doubt or those, which want to produce security, all are not trustworthy, it is like a ghost dance. Again it is only the silence that feels strangely stable …

Culture of Silence – could we succeed in creating a completely new culture? A culture that does not come from the ghosts of thoughts, but from silence …

The silence gives birth to inspiration. Trust grows. Trust in the artistic expression, which feeds neither from talent or perfection nor from endless practice, but from living roar, from the moment. Is it possible that we are not following the fear of making mistakes, but only the enthusiasm (Greek in Theos – in God)? What is our expression when we do not obey the fear of falsifying something? When we see that in fact it is not possible to do something right or wrong. We can only do it the way our unique being just does it, right now. Along with our limitations and all the experiences that have shaped us so far. Can we let it be that way? What do works of art look like resulting from this freedom?

Maybe it’s the expanse of the wild continent that keeps the rooster crowing, maybe he’s just crazy with love? …

 

Skizzen und Sein / Scetch and being

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Das Herstellen der Skizzen ist eine feine Gelegenheit, um zu üben, aus welchem Antrieb in uns Motivation und Handlung entstehen…

Da gibt es hauptsächlich zwei Quellen: Entweder entspringt Handlung aus unserem natürlichen Zustand oder aus den Überlebensreaktionen der psychologischen Verstandesprogramme – unseres Ego. Es geht darum bewusst zu unterscheiden und zu entscheiden, welchen Antrieben wir folgen wollen. Durch Bewusstsein haben wir die Freiheit der Wahl, ansonsten würde der Automatismus des Ego vorherrschen …

Aus unserem natürlichen Zustand geschieht Handlung einfach. Wir brauchen sie nicht zu machen. Hier ist die Heimat des bewussten Seins – der Stille – aus der Motivation und Handlungsimpulse natürlich, aus sich heraus, entspringen. Die daraus folgenden Handlungen haben etwas Spontanes, Freudvolles, Lebendiges, Offenes, Freundliches und Kreatives. Sie werden von einer natürlichen Schönheit getragen …

Das Tun, das den Egoantrieben folgt, ist fordernd, mechanisch, hart und unruhig.

Das Eine entspringt der Angst, das andere der Liebe …

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Unser natürlicher Zustand IST einfach, kommt direkt aus der Quelle des Seins, wir können ihn nicht aus dem Ego heraus „machen“. Es ist eine universelle, verbundene Intelligenz, nicht etwas, das unserem persönlichen Willen folgt. Der natürliche Zustand gehört der Stille, dem Nicht-Tun und Nicht-Wissen an, dem Einfach-hier-sein …

Auch das Wechseln aus den Egoreaktionen in den natürlichen Zustand können wir nicht „machen“. Wir fallen jedoch ganz natürlich aus dem vorherrschenden Ego, wenn wir erlauben, was gerade geschieht. Dadurch anerkennen wir schon das natürliche Sein. Das Ego möchte unbewusst das, was gerade geschieht, anders haben. Damit bleibt es an der Macht und Macht ist sein zweiter Vorname …

Wenn wir erlauben, was ist – vor allem unsere Nicht-Perfektion, das, was noch nicht o. k. ist, von Herzen erlauben und unserer natürlichen Intelligenz vertrauen, erkennen wir das große Spiel des Lebens, das uns langsam – aber sicher – nach Hause ruft …

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Creating sketches is a fine opportunity to practice what drives our motivation and actions …

There are mainly two sources: either action originates from our natural state or from the survival reactions of the psychological mind programs – our ego. It is about consciously differentiating and deciding which impetus we want to follow. Through consciousness we have the freedom of choice, otherwise the ego’s automatism would prevail …

From our natural state, action simply happens. We do not need to do it. Here is the home of the conscious being – the silence – from which motivation and impulses arise by themselves. The resulting actions have something spontaneous, joyful, lively, open, friendly and creative. They are carried by a natural beauty …

The action that follows the ego impetus is demanding, mechanical, hard and restless.
One comes from fear, the other from love …

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Our natural state simple IS , comes straight from the source of being, we can not “make” it with our ego. It is a universal, connected intelligence, not something that follows our personal will. The natural state is one of silence, non-doing and non-knowing, just being here …

We also can not “make” the switch from the ego reactions to the natural state. However, we naturally fall out of the egoric self if we allow what is happening. Thereby we already acknowledge our natural being. The ego unconsciously wants things different than they are. In doing so it keeps its power and power is its middle name …

If we allow what is – especially our imperfections, that which is not o.k. , allow it from the heart and trust our natural intelligence, we recognize the great game of life that is slowly but surely calling home …

 

Der rote König / The red king

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Der rote König, die rote Königin, ist inneres Erleben, ist unsere wahre Natur, ist einfach unser natürlicher Zustand. Unser bloßes Sein. Das, was überbleibt, wenn wir aufhören zu tun.

Wir sind Human Beings nicht Human Doings …

Tun beinhaltet all die Anstrengung, die wir darauf verwenden das illusorische Kartenhaus unserer psychologischen Persönlichkeit aufrechtzuerhalten. Diese mentale, automatisch ablaufende Anstrengung erzeugt Trennung und lässt uns dicht werden …

Es braucht nichts als Bereitschaft, um anzuhalten, unsere Aufmerksamkeit nicht länger der oberflächlichen Wichtigkeit des Tuns zu geben, sondern dem tieferen Sein. Wir entlassen uns aus der Klammer des zwanghaften Denkens, werden durchlässig und agieren aus dem Zauber des Seins …

Hier ist nichts mehr profan, aus dem Grund des Seins entstehen Impulse von Selbst: Bewegungen wollen gemacht werden, Erfahrungen genossen und wir erlauben uns, frei zu sein …

Es ist gut zu wissen, dass etwas in uns nicht will, dass wir unseren natürlichen Zustand leben, etwas in uns und um uns will das alte Regime aufrechterhalten. Doch ganz sicher wird irgendwann unsere Bereitschaft so eindeutig und dem alten Regime bleibt nur Hingabe …

The red king, the red queen, is an inner experience, is our true nature, is simply our natural state. Our mere being. What remains when we stop doing.
We are Human Beings not Human Doings …

Doing includes all the effort we put into maintaining the illusory card house of our psychological personality. This mental, automatic effort creates separation and makes us dense …

It takes nothing but willingness to stop, no longer giving our attention to the superficial importance of doing, but to deeper being. We get out of the grip of compulsive thinking, become permeable and act out of the magic of being …

There is nothing  profane here, impulses arise spontaneously out of being: movements want to be made, experiences enjoyed and we allow ourselves to be free …

It is good to know that something inside us does not want us to live our natural state, something within us and around us likes to maintain the old regime. But surely one day our willingness will be so clear and the old regime will have no choice but surrender …

Die Arbeit beginnt / Work starts

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Langsam beginne ich, die Skulptur, die hier entstehen will, zu verstehen. Die Ahnung davon im Inneren war ja gleich zu Beginn relativ konkret da und hat sich stimmig angefühlt. Dann kommen die äußeren Bedingungen dazu: Welches Material steht zur Verfügung, welcher Zeitraum, etc. Dinge, die sich nur bedingt beeinflussen lassen …

Der bisherige Entstehungsprozess war hauptsächlich geführt durch die Strömungen der Inspiration. Das ist von Selbst passiert, das könnte ich nicht machen. Inspiration ist eine eindeutige, überzeugende Energie, die gar keine Wahlmöglichkeit beinhaltet. Ich stelle sie auch nicht infrage, sondern bin eher so fasziniert davon, dass ich sie in den Mittelpunkt meiner Forschung stelle. Sie ist ein körperlich spürbares, lebendiges, königliches Brausen, das einer größeren Intelligenz, als der meines Verstandes angehört.

Die Summe der Dinge, die durch Inspiration gediehen sind: das Einkaufen von goldfarbigem Porzellan am Wiener Flohmarkt, das Herstellen bestimmter Teile aus Keramik in Wien – solange das noch möglich war, das Beschaffen von marokkanischer Keramik – die fast so aussieht, als hätte man die rote Erde der Umgebung in einfachste Form gebracht und gebrannt, die zentrale Idee und das andauernde Zeichnen von lebendigen Gefäßen, all das lässt mich vermuten, das wir es hier mit einem alchemistischen Prozess zu tun haben …

Bei einem alchemistischen Prozess (arab. Al Khem – das schwarze Land, Symbol für den Urschlamm des Nils) geht es um Transformation, um Umwandlung von Materie in Geist, was ist unsere wahre Natur? Es geht um den schöpferischen Prozess an sich: Zu Beginn ist die Prima Materia, der  schwarzen Urschlamm, aus dem jede Art Form erzeugt werden kann …

Der alchemistische Prozess geht über mehrere Stufen Verflüssigung, Trennung, Vereinigung, Tod, Reinigung, Vergeistigung bis hin zur roten Materie, der Stein der Weisen, hier ist der alchemistische Prozess abgeschlossen, die wahre Natur gefunden …

Sollte hier in ANIMA – Le Retour du Paradis, der rote König entstehen?

Slowly I begin to understand the sculpture that wants to emerge here. The idea of ​​it arising in my inner felt right and quite concrete. Then the external conditions come to it: Which material is available, which time period, etc. Things that can be influenced only conditionally …

The previous development process was mainly guided by the currents of inspiration. That happened to me, I could not do that. Inspiration is a clear, compelling energy that contains no choice. I also do not question it, but rather am so fascinated that I place it at the center of my research. She is a physically perceptible, living, royal shower that belongs to a greater intelligence than that of my mind.

The sum of the things that have come from inspiration: the shopping of gold-colored porcelain at the Vienna flea market, the production of certain ceramic pieces in Vienna – as long as that was still possible, the procurement of Moroccan ceramics – which looks almost as if one had shaped the red earth of the environment in its simplest form and fired it, the central idea and the constant drawing of living vessels, all this leads me to suspect that we are dealing here with an alchemical process …

In an alchemical process (Arabic: Al Khem – the black land, symbol of the primeval mud of the Nile) it is about transformation, about the transformation of matter into spirit, what is our true nature? It is about the creative process itself: At the beginning is the Prima Materia, the black primordial slime, from which any kind of shape can be created …

The alchemical process goes through several stages of liquefaction, separation, unification, death, purification, spiritualization down to the red matter, the philosopher’s stone, here the alchemical process is complete, the true nature is found …

Should the Red King arise here in ANIMA – Le Retour du Paradis?

Regen / Rain

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Gestern sind wir durch die weite, flache Landschaft gefahren und es war wirklich trocken. Die Moscheen haben schon aufgerufen, um Regen zu beten.

Alla Eddine zeigt auf die sterbenden Bäume und meint man könne nichts tun, es gibt keinen Weg ihnen Wasser zu bringen. Es ist ungewöhnlich: seit sieben Monaten hatte es nicht mehr geregnet …

Er sagt, es würde morgen regnen, die Berber würden den Regen spüren, bevor er kommt, eine besonders sanfte Energie macht sich schon lange vorher bemerkbar. Alla Eddine meint, der Regen ist ein Geschenk Gottes …

Heute Morgen strömt ein ganz besonders intensiver Duft durch das Atelierhaus – in dem ich untergebracht bin: Die Welt ist wie in Regenparfüm getaucht …

Ich gehe in den Garten ANIMA – Le Retour du Paradis – und setze mich in das Berberzelt, dort ist der beste Ort um den Regen zu erleben. Er fällt in langgezogenen auf- und abschwellenden Bewegungen wie flüssiger Atem. Er fällt wie eine Gabe, als wüsste er, wie sehr er erwartet wurde …

Yesterday we drove through the wide, flat landscape and it was really dry. The mosques have already called to pray for rain.

Alla Eddine points to the dying trees and says you can not do anything, there is no way to bring them water. It’s unusual: it had not rained for seven months …

He says it would rain tomorrow, the Berbers would feel the rain before it comes, a particularly gentle energy is noticeable long before. Alla Eddine says the rain is a gift from God …

This morning, a particularly intense scent flows through the studio house: The world is bathed in rain perfume …

I go to the ANIMA garden – Le Retour du Paradis – and sit in the Berber tent, the best place to experience the rain. He falls in long drawn up and down swelling movements like liquid breath. He falls like a donation, as if he knew how much he was expected …

Wilde Hunde / Wild Dogs

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Madame Albina erzählte mir heute etwas über eine wesentliche Zutat, die den Garten ANIMA – Le Retour du Paradis – so besonders macht:

Hier wird sehr auf Freiheit geachtet. Menschen, die mit starken Egoansprüchen dieses lebendige Kunstwerk zu sehr bestimmen wollen, müssen eher zu Hause bleiben …

Es geht sich nicht aus. Das ist es ja, was die Welt da draußen so ausbeutet und ruiniert.

Ich merke es auch in mir, wenn zuviel Zielorientierung und Anstrengung entstehen, wenn etwas in mir zu dicht wird, muss ich loslassen, muss durchlässig werden, mit dem Geschehen gehen, mit dem Tempo der Berber – diesen sanften, warmherzigen Burschen, die hier arbeiten, mit dem Regen, mit der Sonne, mit dem Garten, mit dem, was sich in mir bewegt und mit den wilden Hunden …

Madame Albina sagt, der Garten müsse frei bleiben und sie wacht auch ganz bestimmt darüber. Als Beispiel nennt sie die wilden Hunde. Um ganz ehrlich zu sein, sind die Hunde schon eine Herausforderung, sie folgen nur, wenn es ihnen gefällt, sind übermütig und testen gerne ihre Grenzen aus, sie bellen die Nächte durch, weil sie auf alles noch so Feine in der Weite der dunklen Landschaft reagieren …

Und doch: so frei wie sie müsse der Garten bleiben, meint Madame Albina.

Today, Madame Albina told me something about an essential ingredient that makes the garden ANIMA – Le Retour du Paradis – so special:

Here people have an eye on freedom. Humans who want to over-determine this living work of art with strong ego claims, have to stay at home …

It does not work out. That’s what exploits and ruins the world out there.

I notice it too, when too much goal-orientation and effort arise, when something in me becomes too dense, I have to let go, have to become pervious, go with the flow, with the pace of the Berbers – those gentle, warm-hearted guys who work here , with the rain, with the sun, with the garden, with what moves me inside and with the wild dogs …

Madame Albina told me the garden must stay free and she’s determined to watch over it. As an example, she calls the wild dogs. To be honest, the dogs are already a challenge, they follow only when they like it, are cocky and like to test their limits, they bark through the nights, because they react to every fine voice in the vastness of the dark landscape …

And yet, the garden must remain as free as the wild dogs, says Madame Albina.

The Healing Game

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ANIMA – Le Retour du Paradis –  hat auch das Potenzial Menschen zu öffnen.

Das scheinbar Solide an dir wird brüchig, das Verwundete zeigt sich, das Nackte. Das ist, was Paradiese so machen … Sie bieten aber auch gleichsam einen heilsamen Raum, in dem sich das Verwunschene aus der Verletzung lösen darf. Das Ungeheuer wird verwandelt und die Unschuld darf mit einem Zepter durch den Garten wandeln …

Alle diese Dinge fließen in die Skulptur ein. Das ist das Heilende an der Kunst: du brauchst dich nicht zu reparieren oder in Ordnung zu bringen, du tanzt eher mit dem Wesen der Welt und mit all deinen Gesichtern. Du findest einen Ausdruck dafür und merkst: Alles fließt in dieselbe Schönheit und bereichert sie nur noch um diesen besonderen Aspekt …

Zuerst waren vier mögliche Orte für die Skulptur geplant, jetzt hat sich die Auswahl auf zwei reduziert. Es kommt darauf an, wie sichtbar sie werden will, soll sie ganz verborgen sein? Halb versteckt? Wie will sie sich zeigen?

ANIMA – Le Retour du Paradis – has also the potential to open people.

The seemingly solid  becomes fragile, the wounded appears, the nakedness. This is what paradises do … but they also provide a salutary space in which the enchanted can dispense from the injury. The monster is transformed and innocence may walk through the garden with a scepter …

All these things flow into the sculpture. That’s the healing game of art: you do not need to fix yourself, you rather dance with all your faces and with the spirit of the world . You find an artistic expression for it and realize: Everything flows into the same beauty and enriches it with this particular aspect …

Initially, four possible locations for the sculpture were planned, now the selection has been reduced to two. It depends on how visible she wants to be, should she be completely hidden? half hidden? how does she want to show herself?

Der Garten / The Garden

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Ganz früh, die Erde ist noch dunkel und das Sternenlicht feiert …

Ich versuche, unbemerkt von den drei wilden Hunden, in den Garten zu gelangen. Die rote Erde knirscht laut unter meinen Schritten, doch ich habe Glück, das Tor lässt sich öffnen, während ringsum der Gesang aus den Moscheen beginnt. Allah Akbar … die Dunkelheit spielt die Geräusche in den Vordergrund … das allgegenwärtige Bellen der Hunde … der Hahn kräht – aber der hat sowieso grundsätzlich etwas nicht verstanden, er kräht die ganze Nacht hindurch, … die Vögel sind noch nicht erwacht …

Ganz wenig Wind bewegt die Blätter im Garten ANIMA – Le Retour du Paradis, sie berühren sich so zart, es entsteht kaum ein Wispern, jede Sekunde ist wie ein Tröpfchen Ewigkeit …

Ich schlafe zwar erst seit drei Nächten auf dem afrikanischen Kontinent, dennoch haben sich bereits meine Farben verändert. Sie sind klarer, einfacher und kräftiger geworden. Die starke, archaische Erde dehnt sich weit unter dem Garten, sie hat die Pflanzen angenommen und lässt sie üppig gedeihen. André Hellers große Inspiration ist Wirklichkeit geworden. Zusammen mit Albina Bauer – der Seele von Anima – und vielen HelferInnen hat er in sieben Jahren seine Vision umgesetzt.

Die Stille knistert laut in der Landschaft, vielleicht ist sie es, die den Hahn nicht schlafen lässt …

Der Garten erwacht …

Very early, the earth is still dark and the starlight celebrates …

I try to enter the garden unnoticed by the three wild dogs. The red earth crunches loudly under my steps, but I’m lucky, the gate opens, while all around the song from the mosques begins. Allah Akbar … the darkness plays the sounds into the foreground … the omnipresent barking of the dogs … the rooster crows – but anyway he does not understand something in principle, he crows throughout the nights, … the birds have not yet awakened …

Very little wind moves the leaves in the garden ANIMA – Le Retour du Paradis, they touch so tenderly, there is hardly any whispering, every second is like a droplet of eternity …

Although I have only been sleeping on the African continent for three nights, my colors have already changed. They have become clearer, simpler and more intense. The strong, archaic earth stretches far below the garden, it has adopted the plants and lets them flourish lusciously. André Heller’s great inspiration has become reality. Together with Albina Bauer – the soul of ANIMA – and many helpers, he realized his vision in seven years.

The silence crackles loud in the landscape, maybe it is she who keeps the rooster awake at night …

The garden arises …